Antwort auf die Frage: Wie war es in Schottland?

EXTREM und ich habe unterwegs so manchen verflucht, der zu mir gesagt hat: „das muss man einmal gemacht haben.“
Wieso:
Die Zwischenstrecke setzt sich aus Straßenetappen, bei denen man extrem auskühlt und sich nicht mehr bewegen kann und extremen Mooretappen, zusammen.
Eine Mooretappe schaut so aus:
Dauerndes Bergauf und Bergabfahren durch tiefen Boden durchsetzt mit Steinen und Bächen, die unter Grasbüscheln versteckt sind und den tiefen Moorlöchern, die man zu sehen lernen muss.
Dieses Moor ist Weltweit einzigartig und mit nichts in Österreich zu vergleichen. Solch einen Landstrich über 10 bis 20 Meilen zu durchfahren ist absolut Kräfte raubend. Eine Sektion zu erreichen zählt nach dieser Tortur schon beinahe als Entspannung. Die jungen Lampkin´s, absolute Spitzenfahrer hörte ich sagen: „ I am definately dead“
Von absolut denkbar nullbar (aber man kommt total kaputt dorthin) bis sehr schwer und für unseren Standard als zu schwer einzustufen.
Ich hatte am 1. Tag 8 „Nuller“, 2 oder 3 3er, sonst lauter 5er.
Wenn man als Zuschauer nur die Sektionen sieht, denkt man sich, das ist machbar, aber als Fahrer sieht das komplett anders aus.
Die Fahrzeit ist so kurz bemessen, dass man 7 – 8 Stunden, je nach Etappe nicht einmal zum Durchatmen kommt. Wann fährt man bei uns schon 8 Stunden durch und
das 6-Tage lang?
Man hat auch nur eine halbe Stunde vor dem täglichen Start, um das Motorrad zu „servisieren“.
Fazit:
Ich würde niemanden raten, der fahrerisch, konditionell , gesundheitlich und mental nicht absolut ok ist, diese SSDT in Angriff zu nehmen, denn von Genuss oder Gegend anschauen kann keine Rede sein.
Es ist eine Schinderei von Anfang bis zum Ende und ich habe etliche junge Spitzenfahrer gesehen, die zur Siegerehrung gehumpelt oder fast gekrochen sind. Aber die sind oft so gut, dass es für sie nie so anstrengend ist wie für einen „Grobler“ wie mich.
PS:
Es ist ohne Zweifel ein Vorteil, wenn man schon einmal dabei war. Man weiß, was auf einem zukommt und auf was man sich einlässt.
Für Newcomer ist es aufreibend und total verunsichernd, sodass man vorher nicht gut schläft, usw.
Bericht von Schottland (Fritz Krankl) lang
Seit Jahrzehnten träumte ich davon einmal in Schottland bei den 6days mitzufahren. Nun war es endlich so weit. Was ich von Schottland aus Berichten anderer Trialfahrer wusste, waren mehr oder weniger kurze Kommentare: „Super, geil, schwierig …. Und man muss es einfach einmal erlebt haben“.
Nach den üblichen Vorbereitungen des Motorrades, (total zerlegen, Wartung, Zusatzaufbauten, Hupe, Nummerntafel usw.) schob ich es endlich in Schottland in den Parc Ferme. Schon seit Tagen war eine innerliche Unruhe und Aufregung vorhanden, aber als ich am Nachmittag bei der Parade der Teilnehmer durch die Hauptstrasse von Fort Williams fuhr, fühlte ich mich pudelwohl. Noch eine Nacht, dann geht’s los, dachte ich.
Tag 1
Ein regnerischer, windiger Spätherbsttag (1. Mai) empfing uns. Die Streckenlänge sollte an diesem Tag 65 Meilen (ca. 105 km) in 7 h inkl. 30 Sektionen betragen. Mein erster Gedanke: „Des foar i mitn Foarradl“. Jede Minute startete einer, der Erste um 7.30 h. und ich mit Startnummer 129 (= 129 Minuten nach 7.30 h). Start frei! 8 km Straße nicht weiter aufregend mit einem Waldweg zur ersten Sektionsgruppe, es fröstelte leicht, aber kein Problem. „Pock ma locker“, viele Zuschauer, super Flair. Sah mir die Sektion an und fuhr in der ersten Sektion einen glatten „Nuller“ (na es geht ja). No problem mit schottischem Schotter. In der zweiten wurden die Steine schon etwas größer und es ging nur mehr ein Dreier. Wir (Mario, Fred, Fritz) begaben uns auf die Reise zur nächsten Sektionsgruppe, die ca. 25 km angeblich auch durch ein Moor führen sollten (meine Vorstellung von Moor war bis jetzt so, wie es in einschlägigen Filmen gezeigt wird, eine Lacke, dazwischen Wege und irgendwo versinkt ein Pferd). Über eine Forststraße, über die wir vorsichtig, aber zügig wegen der großen Steine vorankamen, gelangen wir auf einen Pfad, der sich zwischen Wald und Wiese auf unzähligen Gräben entlang des Berges schlängelte, dazwischen immer tiefschwarze Schlammpfützen. Plötzlich eine Abzweigung – gekennzeichnet durch orange Fähnchen wie die gesamte Strecke – weg vom Pfad in Richtung unbewaldetes Hügelland. Es war kein richtiger Weg mehr erkennbar und die Spuren der vorherigen Starter teilten sich auf. Das nächste orange Fähnchen war in ca. 300 m Entfernung leicht erkennbar. Ich gab Gas, weil sich ein kleiner Hügel vor mir aufbaute und wunderte mich, wieso ich plötzlich stecken blieb. Der Boden war tief und obwohl mit Gras bewachsen, lernte ich, ähnlich wie im Sand oder Schnee, das Hinterrad zwecks mehr Vortrieb stark zu belasten.
Es wurde immer hügeliger, und immer mehr, fast nicht sichtbare, verwachsene Rinnsale (1 m tief) querten den Weg. Vorsichtig fahren, sonst gibt es einen „Köpfler“, dachte ich mir. Nach dem nächsten Hügel wurden die Spuren tiefer und ich wollte mit viel Gas zügig darüber fahren, als mein Hinterrad plötzlich im Morast versank. Ich versank auch bis zu den Knien. Gott sei dank kam mir Alfred zu Hilfe, der eine andere Spur gewählt hatte, gemeinsam bargen wir das Motorrad. Wieder hatte ich etwas dazugelernt: Auf diese dunklen Streifen muss man aufpassen.
Es wurde noch hügeliger und dazu kamen noch im Gras versteckte Steine. Ich wollte einen großen Hang aufwärts umfahren, schon steckte ich wieder im Dreck. Oberhalb des Steines befand sich ein Sumpfloch. Der Regen war mittlerweile in leichten Schneefall übergegangen, aber in meiner Regenmontur war mir „sauheiß“, mein Puls war auf 200 und die Unterarme verkrampften sich.
Wir fuhren danach ca. eine halbe Stunde in dieser „Pampas“ und wenn ich nach vorne schaute sah ich meilenweit kein Ende. Man kann sich keine Sekunde ausrasten, da es dauernd auf und ab geht und der Boden von schwer bis unfahrbar wechselt. Weil ich mich laufend auf die nächsten 5 m vor mir konzentrieren musste, sah ich von der Gegend nichts. Ich dachte:
„Bist du deppert, bin ja jetzt schon hin“.

Zum Glück kamen wir zur nächsten Sektionsgruppe (= Ansammlung von 2 – 6 Sektionen). Die Sektionen sind zwar schwierig, aber absolut fahrbar. Ich schob mich zum Start, und da es sich um eine Subsektion handelte, sollte man sie auch durchfahren, aber: Nach dem 1. E-Taferl brannten mir die Unterarme, kam leicht von der Idealspur ab und füßelte mich zum E-Taferl, Die Steine waren aalglatt und man konnte nicht einmal einen Fuß darauf setzen. Diese Sektion war auch geschafft.
Weiter zur Nächsten. Die Spur ging Bergab über das Gras. Versuchte zu bremsen, das Motorrad wurde immer schneller, wollte mich mit dem Fuß abstützen, rutschte aus und knallte mit dem Allerwertesten voll auf einen nicht sichtbaren Stein, ein stechender Schmerz! Folge: ein enzianblauer Hintern und Schmerzen beim Sitzen für den Rest der Woche.
Nach einigen Minuten Verschnaufpause wieder wie gehabt weiter über Wiesen, Hügel und Moorlöcher, bei denen man keine Zehntelsekunde unaufmerksam sein durfte und die dich konditionell voll hernehmen. Ab diesem Zeitpunkt kann ich mich nicht mehr im Detail an die Sektionen erinnern, nur noch an die Zwischenstrecke.
Eine Sektion ist mir doch aufgefallen:
Ein ca. 4 m hoher Wasserfall, den viele Fahrer verweigert haben. Ich überwand mich, blieb aber oben auf der Kante hängen und rief zum Punkterichter: „Please help“, was dieser mit den Worten „Come closer“ erwiderte. Er half mir doch noch und bewahrte mich so vor einem Absturz ( was einem Teilnehmer vor mir gerade passiert war und der im Wasser versank).
Völlig durchnässt, kassierte ich 40 Minuten lang die nächste Moorpackung, die im Gegensatz zu jener, die ich 3 Wochen vorher bei einer Kur wegen eines Bandscheibenvorfalles erhalten hatte, wesentlich unangenehmer war. Die Flußdurchquerung mit einem bis zur Sitzbank versunkenem Motorrad war nur Draufgabe zur Schönheitspflege.
Jetzt kam ich zum 2. Tankstopp (=eine von der Army aufgebaute Station zum Nachtanken unterteilt in 2T und 4T) Hier gab es auch schottisches Wasser, diesmal nicht von oben oder unten, sondern in Flaschen. Ansonsten gab es auf weiter Flur keine Verpflegung, außer das was man selber mit hat.
Die nächste Sektion besichtiget ich mit angstvollem Respekt, fuhr aber trotzdem durch, weil ich seitlich über die Wiesen ohnehin nie hinaufgekommen wäre. Leider Gottes lösten sich beide Griffgummi vom Lenker, ich stand da und das Motorrad fuhr weiter. (Lösung infolge extremer Feuchtigkeit trotz Verdrahtung und Verklebung). Auch mein selbst gebastelter Zusatzauspuff hat nur 3 Stunden Schottland überlebt (zu Hause hat er ein Jahr gehalten). Die Zwischenstrecke ähnelte einem Wandersteig mit großen Felsstufen, bei denen man öfter schieben muss. Dann wieder Tankstopp mit Mittagspause (=15 min Zwangspause, das Motorrad darf nicht berührt werden).
Kurz danach die nächste Sektionsgruppe mit Stau!
Kein Problem, denn der Zeitverlust wurde von einem „Official“ in die Zeitkarte eingetragen und zählte nicht zur Sollzeit.
Es tut mir leid, aber an die restlichen Sektionen kann ich mich nicht mehr erinnern, da ich die Strecke total unter Stress, Müdigkeit, Feuchtigkeit, Kälte und Konzentration auf die nächsten 5 Meter, wie in Trance absolvierte. Ich dachte:“ Man muss a bissl deppert sein, wenn man sich das freiwillig antut“
Nach 100km und 7 Std. Fahrzeit erreichte ich den Parc Ferme und musste die Montesa sofort hinein schieben um keine Strafpunkte aus Zeitüberschreitung zu kassieren. Die Honda war zwar dreckig, aber das war mir wurscht, denn ich bin froh heil zurück zu sein. Ein Bad und frisch machen und raus aus den nassen Klamotten. Unter der Dusche dachte ich mir: „und den Wahnsinn soll ich mir morgen mit 160km Länge wieder antun?“.
2. Tag

Schnell noch neue Griffgummi, eine ½ Stunde vor dem Start montiert. Die Honda sprang klaglos an, war froh, dass ich sie habe. Vorher motiviert mich noch unser Freund, ein „Kiberer“ aus Wales mit den Worten: “Tuesday is the hardest day“.
Ich dachte mir: „do muast durch“!
Bei leichtem Regen saß ich auf der Montesa, bewältigte die 20 Meilen auf der Straße und bog mich durchgefroren und steif wieder gerade. „Und jetzt soll ich a Sektion foan“.
Fühlte mich gut und fuhr 0-0-3, nach kurzer Freude ging`s wieder ins Moor. Nach 100m fing wieder alles zu brennen an, aber ich hatte schon gelernt, die Fährten zu lesen. Endloser als am Tag zuvor!
Hat der „Kieberer“ etwa recht gehabt?
Über die Sektionen verliere ich kein Wort, die sind in den Hintergrund gerückt. „Wos geht, geht, wos net geht is a wurscht“. Erschreckend ist es, wenn von rechts hinten irgendein Schotte oder Engländer auftaucht, über die Sümpfe und Löcher drüberbügelt und dir auf 100 Meter 50m abnimmt. Ich war froh, die Strecke ohne Blessuren zu bewältigen. Dem Fredl ging es heute gar nicht gut, ich wartete in den Sektionen auf ihn. Auf einer Forststraße verfolgten wir zwei Engländer, wir sahen Fähnchen, bogen ab und frästen hinter den Beiden nach. Nach 3 km keine Spuren mehr, wir waren falsch und kofferten langsam zurück, um eine übersehene Abzweigung zu finden. Irgendwelche Idioten hatten die Fähnchen umgesteckt, und so kostete uns die Aktion eine halbe Stunde. Froh, wieder am richtigen Weg, die nächste Sektionsgruppe erreicht zu haben, gab es danach eine Pause und ich wartete auf Alfred. Er kam nicht, und ich musste alleine weiter fahren.
Jetzt folgte die ärgste Mooretappe. Entlang eines steilen Hanges mit Gräben und Hügeln im Abstand von 5m, andauernd Sumpflöcher, durchsät mit zahllosen Steinen. Aus dem letzten Loch pfeifend, Schultern verspannt, Rücken schmerzend, Hände verkrampft und Zehen durchgescheuert erreichte ich die letzten Sektionsgruppen. Dort stürzte ich, das Resultat war: Bruch des vorderen Kotflügels. Ich erreichte mit 30min (=30 Strafpunkte) Verspätung die letzte Kontrollstelle. Eine Reklamation, bezüglich umgesteckter Fahnen, blieb erfolglos.
Im Ziel erfuhr ich, das Walter Luft aufgeben musste, es war nicht motivierend. Alfred Braun kam mit 1h10 Verspätung und einem lädiertem Kupplungsfinger nach einer Kollision mit einem Weidezaun ins Ziel.
3. Tag
Am Morgen war das Wetter schön und es sollte nicht so schwer sein wie an den Vortagen. Die Aufgabe von Luft und Braun ermunterte mich nicht gerade. Nach 2 Sektionsgruppen schlug das Wetter innerhalb von Minuten um. Es stürmte und schüttete und die Sektionsgruppe C bestand aus riesigen Kugelmugelsteinen, die im Hochwasser führenden Bachbett lagen. Genau vor mir stand Exweltmeister Thierry Michaud in der Sektion, mit der Kette in der Hand nachdem er einen furchtbaren Topfen „zsammgfoan is“. Während weitere junge Spitzenfahrer baden gingen, und auf der Straße die Rettung mit Blaulicht auf einen Abtransport wartete, beschloss ich: „Jetzt ist es genug, das Abenteuer der SSDT endet jetzt und hier.
“ Denn ich will noch halbwegs heil heimkommen.“
Und die Moral von der gruseligen G´schicht: Den Krankl Fritzi sieht Schottland in Zukunft nicht!
